Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Fokus: Wald- und Vegetationsbrand-Symposium in Kleve

Kleve. Wie bereiten sich Feuerwehren und Behörden auf die zunehmende Gefahr von Wald- und Vegetationsbränden vor? Diese Frage stand am Samstag im Mittelpunkt eines internationalen Fachsymposiums in der Hochschule Rhein-Waal in Kleve. Vertreter der Feuerwehren aus den Kreisen Kleve, Viersen und Heinsberg trafen dort auf Fachleute aus den Niederlanden sowie auf Experten aus Forstwirtschaft und Wissenschaft.

Das Audimax der Hochschule bot den passenden Rahmen für die Tagung, die vor allem eines deutlich machte: Waldbrände kennen keine Grenzen – und ihre Bekämpfung funktioniert nur mit enger internationaler Zusammenarbeit.

Wissenstransfer über Grenzen hinweg

Zum Auftakt begrüßte Kleves Feuerwehrleiter Ralf Benkel die Teilnehmer. Gerade in Zeiten zunehmender klimatischer Veränderungen gewinne der Austausch zwischen Behörden, Feuerwehren und Fachinstitutionen immer mehr an Bedeutung, betonte er.

Einen Einblick in die praktische Zusammenarbeit gab anschließend die niederländische Seite. Peter Kleusken und Mara Hoogedoorn stellten das Interreg-Projekt zur Naturbrandbekämpfung vor, das die Zusammenarbeit entlang der deutsch-niederländischen Grenze stärkt.

In der niederländischen Veiligheidsregio Limburg-Noord wurde dazu ein umfassendes Ausbildungsprogramm entwickelt, das allen Feuerwehren der Region offensteht und gezielt auf Vegetationsbrände vorbereitet.

Wälder im Wandel – neue Herausforderungen

Mit Blick auf die Zukunft skizzierten die Forstexperten von Wald und Holz NRW die Entwicklung der Wälder in Nordrhein-Westfalen.

Die Veränderungen durch Klimastress und Baumkrankheiten stellen nicht nur die Forstwirtschaft, sondern auch den Brandschutz vor neue Herausforderungen. Besonders die Buche könnte künftig zu einem sogenannten „Problembaum“ werden, erklärten die Fachleute.

Zugleich arbeite der Landesbetrieb Wald und Holz NRW daran, die Infrastruktur im Wald brandschutzgerechter zu gestalten. Dazu gehören die Sanierung von Waldwegen, ausreichend dimensionierte Wendeflächen für schwere Einsatzfahrzeuge sowie klar definierte Wasserentnahmestellen für die Feuerwehr.

Eine wichtige Rolle spielt zudem moderne Technik. Vorgestellt wurde das Kamerasystem FireWatch, das seit 2024 Einsatzkräfte bei der Früherkennung von Waldbränden unterstützt. Mithilfe künstlicher Intelligenz können Rauchentwicklungen früh erkannt werden. Zusätzlich entstehen auf niederländischer Seite drei neue Beobachtungstürme, die die Überwachung in der Grenzregion ergänzen. Die Auswertung der Daten erfolgt über das Forstamt Wesel.

Spezialwissen aus der Praxis

Mit besonderem Interesse verfolgten die Teilnehmer auch den Vortrag von Tim Scholz vom Waldbrandteam e.V.. Der Verein unterstützt bundesweit Feuerwehren bei Vegetationsbränden und wird über die Leitstelle Salzgitter alarmiert.

Scholz berichtete, dass lange Zeit nur wenig Fachliteratur und Ausbildungsmaterial zur Vegetationsbrandbekämpfung verfügbar gewesen sei. In seinem Vortrag gab er Einblicke in taktische Grundsätze und zeigte zugleich Grenzen auf: Bei bestimmten Feuerlagen müsse der Eigenschutz der Einsatzkräfte klar Vorrang haben.

Konzept für den Reichswald vorgestellt

Am Nachmittag rückte schließlich die regionale Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Christian Kellner, stellvertretender Leiter der Feuerwehr Kranenburg, stellte das Waldbrandkonzept für den Reichswald vor.

Das Konzept entstand in enger Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren aus Kranenburg, Kleve und Goch, den beteiligten Kommunen, dem Kreis Kleve sowie Organisationen wie DRK, Maltesern, THW, DLRG, etc. und der niederländischen Brandweer.

Ein zentrales Element ist die klare Strukturierung des Einsatzraumes: befahrbare Waldwege wurden kartiert und gekennzeichnet, Aufstellflächen für anrückende Kräfte definiert und überregionale Alarmierungspläne erstellt.

Als Herausforderung bleibt derzeit die Funkkommunikation im Reichswald. Kellner zeigte sich jedoch optimistisch: Mit einer neuen Basisstation in Grafwegen soll sich die Situation künftig deutlich verbessern.

Auch besondere Gefahren müssen berücksichtigt werden. Teile des Reichswaldes sind noch immer mit Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg belastet. Gleichzeitig bieten ehemalige Kiesbaggereien auf niederländischer Seite wertvolle Löschwasserentnahmestellen.

Das Interreg-Projekt unterstützt zudem den Ausbau wichtiger Zufahrten in den Wald und trägt so zur Verbesserung der Einsatzbedingungen bei.

Jahrzehntelange Partnerschaft

Kellner erinnerte in seinem Vortrag auch an die lange Tradition der Zusammenarbeit über die Grenze hinweg. Der Löschzug Kranenburg pflegt seit mehr als 50 Jahren regelmäßige Übungen und Austausch mit Feuerwehren aus Gennep und Ubbergen in den Niederlanden.

Zum Abschluss des Symposiums unterstrich Feuerwehrleiter Benkel noch einmal die Bedeutung dieser Kooperation. Gerade in politisch schwierigen Zeiten zeige die Zusammenarbeit der Feuerwehren, wie europäische Partnerschaft im Alltag funktionieren könne.

Das Symposium machte deutlich: Der Kampf gegen Wald- und Vegetationsbrände wird in Zukunft komplexer – und nur durch gemeinsame Vorbereitung und internationale Zusammenarbeit erfolgreich zu bewältigen sein.